HomeRatgeberLeichtbauplatten (Pical/Promabest): Schwach gebundener Asbest
Diagnose & Kaufprozess📖 6 Min. Lesezeit📅 2026-06-14Autor: Philipp Ostermayer (geprüft von Martin Meier)

Leichtbauplatten (Pical/Promabest): Schwach gebundener Asbest

Schwach gebundene Leichtbauplatten (wie Pical oder Promabest) gehören zu den gefährlichsten Asbestquellen im Haus. Erfahren Sie alles über Sofortmassnahmen.

Asbest-Leichtbauplatten (ALP): Schwach gebundener Asbest im Detail

Asbesthaltige Leichtbauplatten (ALP) – in der Schweiz oft unter den Markennamen Pical oder Promabest bekannt – gehören zu den gefährlichsten Schadstoffquellen im Hochbau. Aufgrund ihrer hervorragenden thermischen Isolations- und Brandschutzeigenschaften wurden sie von den 1950er-Jahren bis zum Verbot 1990 fast überall verbaut. Typische Fundorte sind: - Verkleidungen hinter Heizkörpern und Öfen - Brandschutzplatten in und um Elektro-Tableaus (Sicherungskästen) - Verkleidungen von Lüftungs- und Kabelschnittstellen - Brandschutzklappen in Lüftungsleitungen

Warum Leichtbauplatten so extrem gefährlich sind

Der entscheidende Unterschied zu fest gebundenem Asbestzement (Eternit) liegt in der Dichte und der Faserbindung. Leichtbauplatten weisen eine sehr geringe Dichte auf (unter 1'000 kg/m³, meist 400 bis 800 kg/m³) und fühlen sich weich oder kartonartig an. Der Asbestanteil ist exorbitant hoch und liegt meist bei 40 % bis 60 %, teilweise sogar bis über 90 % (bei Asbestpappen). Da die Fasern nur schwach gebunden sind, reicht eine minimale mechanische Beanspruchung (z.B. das Eindrehen einer Schraube, das Anbohren oder das blosse Berühren einer beschädigten Platte), um Millionen lungengängiger Fasern freizusetzen. Bereits das vorsichtige Öffnen eines Elektroverteilers mit Pical-Auskleidung kann die Raumluft schlagartig kontaminieren. Daher stufen die FAGES-Richtlinien und das Forum Asbest Schweiz (FACH) diese Platten in die höchste Dringlichkeitsstufe (Dringlichkeitsstufe I) ein.

Strikte Sofortmassnahmen bei Asbestverdacht

Sobald bei Umbauarbeiten Verdacht auf eine Leichtbauplatte (Pical/Promabest) aufkommt, gilt ein striktes Schutzprotokoll: 1. Sofortiger Baustopp: Stellen Sie sämtliche Arbeiten im betroffenen Raum sofort ein. 2. Bereich absperren: Schliessen Sie Türen und Fenster, um Faserverschleppung zu verhindern. 3. Keine Eigenleistung (DIY-Verbot): Der Rückbau von schwach gebundenem Asbest ist für Laien und nicht-zertifizierte Handwerker absolut verboten und strafbar. 4. Zertifizierte Diagnostik: Kontaktieren Sie umgehend ein anerkanntes Gutachterbüro zur Probenahme.

  • Sofortiger Stopp aller mechanischen Arbeiten im Raum
  • Raum versiegeln und unbefugten Zutritt verhindern
  • Keinesfalls versuchen, die Platten selbst zu demontieren oder zu reinigen
  • SUVA-zertifizierten Diagnostiker für die Probenahme kontaktieren
  • Sanierung zwingend an ein anerkanntes Asbestsanierungsunternehmen delegieren

Sanierungsvorgaben in der Roten Zone (EKAS 6503)

Die Sanierung von Pical- und Promabestplatten darf ausschliesslich von durch die SUVA anerkannten Asbestsanierungsunternehmen durchgeführt werden. Der Sanierungsbereich wird als Rote Zone deklariert. Dies erfordert: - Den Aufbau eines staubdichten 4-Kammer-Schleusensystems mit integrierter Personendusche. - Die Erzeugung eines permanenten Unterdrucks mittels H-Klasse-Luftfiltern, um das Austreten von Asbeststaub zu verhindern. - Das Tragen von Vollschutzanzügen und gebläseunterstütztem Atemschutz (TM3P Vollmasken) durch die Sanierer. - Die staubdichte Verpackung der Platten in gekennzeichneten Asbest-Big-Bags für den Transport zur Sondermülldeponie.

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Fachlich geprüftMartin Meier
ℹ️ Offizielle Schweizer Richtlinien: Weiterführende gesetzliche Informationen und Schutzbestimmungen finden Sie direkt bei den Schweizer Behörden: SUVA Asbest-Richtlinien sowie im Portal der EKAS (Eidg. Koordinationskommission für Arbeitssicherheit).

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