Asbesthaltiger Fensterkitt: Gefahr beim Fenstertausch
Wer alte Fenster renoviert oder austauscht, stösst fast immer auf asbesthaltigen Kitt. Wie Sie Fasern und Glasbruch vermeiden.
Asbesthaltiger Fensterkitt: Die unterschätzte Gefahr am Fensterrahmen
Eine oft übersehene, aber in Schweizer Altbauten extrem weit verbreitete Quelle für Asbest ist der Fensterkitt. In den Dekaden zwischen 1960 und 1970 wurde asbesthaltiger Leinölkitt in über 70 % der Schweizer Gebäude verbaut. Der Asbest (Chrysotil) diente als Bindemittel, um den Kitt elastisch und witterungsbeständig zu machen. Solange der Kitt intakt und durch Farbe versiegelt ist, besteht keine Gefahr. Problematisch wird es jedoch, wenn Fenster renoviert, Gläser ausgetauscht oder Fenster im Rahmen eines energetischen Umbaus demontiert werden müssen. Der alte Fensterkitt ist über die Jahrzehnte steinhart geworden. Beim mechanischen Herausbrechen mit Meissel, Schraubenzieher oder Spachtel zersplittert der Kitt in kleinste Teile und setzt gesundheitsschädliche Asbestfasern frei.
Mechanische vs. Thermische Entfernung (SUVA-Factsheet 33042)
Die SUVA unterscheidet arbeitsschutzrechtlich strikt nach dem angewandten Verfahren bei der Kitt-Entfernung: 1. Das mechanische Verfahren: Werden oszillierende Messer, Fräsen oder Schleifgeräte eingesetzt, um den Kitt zu entfernen, entsteht eine sehr hohe Faserfreisetzung. Dieses Verfahren fällt unter die Rote Zone und ist gemäss SUVA-Factsheet 33042 ausschliesslich zertifizierten Asbestsanierungsbetrieben vorbehalten. 2. Das thermische Verfahren (wärmebasiert): Durch gezielte Erwärmung wird der Fensterkitt wieder weich und plastisch. In diesem Zustand bleiben die Fasern in der Leinöl-Matrix gebunden. Dieses Verfahren ist unter Einhaltung strenger Schutzmassnahmen (Orange Zone) für instruierte Handwerker zugelassen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Thermisches Kitt-Entfernungsverfahren
Um thermische Spannungsrisse im Glas zu vermeiden (die zu plötzlichem Glasbruch und unkontrollierter Krafteinwirkung führen würden), muss das Verfahren mit grosser Sorgfalt durchgeführt werden: 1. Schutzausrüstung anlegen: Tragen Sie eine FFP3-Atemschutzmaske, Schutzbrille und Einweghandschuhe. 2. Gleichmässige Erwärmung: Verwenden Sie eine spezielle Infrarot-Kittlampe oder eine Heissluftpistole. Bewegen Sie das Gerät kontinuierlich entlang des Kitts, um das Glas nicht punktuell zu überhitzen. 3. Abziehen des Kitts: Sobald der Kitt weich und gummiartig ist, schaben Sie ihn vorsichtig mit einem breiten Spachtel ab. Üben Sie dabei keinen Druck auf die Glasscheibe aus. 4. Feinreinigung: Saugen Sie den Fensterfalz mit einem Industriestaubsauger der Staubklasse H ab und wischen Sie mit einem feuchten Lappen nach. 5. Entsorgung: Verpacken Sie den entfernten Kitt in reissfesten, gekennzeichneten Kunststoffsäcken als asbesthaltigen Sondermüll.
Sicherheitsbereich absperren und PSA (FFP3-Maske, Einweghandschuhe) anlegen
Kitt mittels Infrarot-Kittlampe oder Heissluftföhn gleichmässig erwärmen
Erweichten Kitt vorsichtig mit dem Spachtel abziehen (Glasbruch strikt vermeiden)
Rahmen mit H-Klasse-Sauger absaugen und nass nachwischen
Abfall staubdicht verpacken und als asbesthaltigen Sondermüll deklarieren
Kosten für Fenster-Diagnostik und Demontage
Die Abklärung und Sanierung von Fensterkitt ist verhältnismässig günstig, aber für die Rechtssicherheit unerlässlich: - Laboranalyse: Die Analyse einer Probe Fensterkitt im akkreditierten Labor kostet etwa CHF 80 bis 150. - Sanierung & Entsorgung: Wird das thermische Verfahren durch einen qualifizierten Fensterbauer oder Sanierer durchgeführt, bewegen sich die Kosten je nach Fenstergrösse und -anzahl meist im Rahmen von CHF 50 bis 150 pro Fensterflügel. Der komplette Austausch alter Fenster durch zertifizierte Partner sichert die Schadstofffreiheit Ihres Wohnraums dauerhaft ab.
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