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Grundwissen & Gefahren📖 6 Min. Lesezeit📅 2026-07-09Autor: Philipp Ostermayer (geprüft von Martin Meier)

Was ist Radon? Gefahren, Entstehung & Wirkung auf die Gesundheit

Radon ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs in der Schweiz. Erfahren Sie, wie das unsichtbare Gas entsteht und sich in Gebäuden ansammelt.

Einleitung: Die unsichtbare Gefahr aus dem Erdboden

Wenn wir an Wohngifte denken, kommen uns meist Asbest, Schimmelpilze oder chemische Lösungsmittel in den Sinn. Doch der gefährlichste Schadstoff in Schweizer Innenräumen ist vollkommen unsichtbar, geruchlos und geschmacksneutral: Radon.

Dieses natürliche radioaktive Edelgas dringt unbemerkt aus dem Erdboden durch kleinste Risse im Fundament in unsere Wohnräume ein. Für Immobilienbesitzer und Mieter ist das tückisch – denn man spürt, sieht und riecht Radon nicht. Erst nach vielen Jahren der Belastung kann die radioaktive Strahlung schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen. Erfahren Sie in diesem Artikel, wie Radon entsteht, warum es so gefährlich ist und was es mit Ihrem Körper macht.

Was ist Radon? Ein physikalischer Steckbrief

Radon (spezifisch das Isotop Radon-222) ist ein natürliches Edelgas, das beim radioaktiven Zerfall von Uran entsteht. Uran kommt seit Jahrmillionen natürlicherweise in unterschiedlichen Konzentrationen überall im Erdboden und im Gestein der Schweizer Erdkruste vor.

Da Radon ein Gas ist, bleibt es nicht im Boden gebunden. Es ist hochmobil, bewegt sich frei durch die Poren des Bodens und steigt schliesslich an die Erdoberfläche auf. Im Freien vermischt sich das Gas sofort mit der Atmosphäre – die Konzentration ist dort mit meist unter 10 Bq/m³ völlig unbedenklich. Kritisch wird es erst, wenn das Gas in geschlossene Räume eindringt und sich dort mangels Luftaustausch stark anreichert.

Warum ist Radon gefährlich für die Gesundheit?

Das Radongas selbst ist chemisch träge und wird beim Atmen zum grössten Teil direkt wieder ausgeatmet. Die eigentliche gesundheitliche Bedrohung geht von seinen physikalischen Zerfallsprodukten aus.

Wenn Radon zerfällt, entstehen kurzlebige radioaktive Schwermetalle wie Polonium-218 und Polonium-214. Diese Isotope haften sich augenblicklich an feinste Staubpartikel und Schwebeteilchen (Aerosole) in unserer Raumluft.

Beim Einatmen gelangen diese beladenen Partikel tief in die Lunge und lagern sich auf dem empfindlichen Gewebe der Atemwege ab. Dort setzen sie ihr Zerstörungswerk fort:

  • Aggressive Alphastrahlung: Polonium zerfällt unter Aussendung sogenannter Alpha-Teilchen. Diese besitzen im Gewebe nur eine sehr kurze Reichweite von Bruchteilen eines Millimeters, verfügen jedoch über eine extrem hohe Energie.
  • Zerstörung der Zell-DNA: Die Energie der Alpha-Teilchen trifft direkt auf die Basalzellen des Bronchialepithels. Sie verursacht schwere Schäden an der Erbsubstanz (DNA-Doppelstrangbrüche).
  • Entstehung von Lungenkrebs: Kann der Körper diese Schäden nicht fehlerfrei reparieren, mutieren die betroffenen Zellen. Über eine Latenzzeit von mehreren Jahrzehnten kann sich daraus Lungenkrebs entwickeln.

Wichtiger Fakt: Radon ist in der Schweiz nach dem Rauchen die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Jährlich sterben hierzulande rund 200 bis 300 Menschen an den Folgen einer Radonbelastung in Innenräumen.

Der Risiko-Verstärker: Synergie zwischen Radon und Rauchen

Epidemiologische Studien zeigen ein erschreckendes Bild für aktive Raucher: Das ohnehin erhöhte Lungenkrebsrisiko durch Tabakkonsum wird durch Radon nicht einfach nur addiert, sondern multipliziert.

Wer raucht und gleichzeitig in einem Haus mit hoher Radonkonzentration lebt, trägt ein extrem hohes Erkrankungsrisiko. Das Zusammenspiel von Teerablagerungen auf der Lunge und der permanenten radioaktiven Bestrahlung beschleunigt die Entstehung von Tumoren massiv. Doch auch für strikte Nichtraucher ist Radon das mit Abstand grösste Krebsrisiko im eigenen Haus.

Wie gelangt Radon ins Haus? Der "Kamineffekt" einfach erklärt

Dass Häuser wie Staubsauger für Bodengase wirken, liegt an einem einfachen bauphysikalischen Phänomen: dem Kamineffekt.

1

Warme Luft steigt auf: Im Winter heizen wir unsere Wohnräume. Die warme Luft im Haus dehnt sich aus, wird leichter und steigt nach oben.

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Sog im Keller: Durch das Aufsteigen der warmen Luft entsteht in den unteren Etagen (Keller und Erdgeschoss) unbemerkt ein leichter Unterdruck.

3

Ansaugen von Bodengas: Dieser Unterdruck erzeugt eine permanente Sogwirkung auf das Erdreich unter dem Fundament. Das im Boden befindliche radonhaltige Gas wird förmlich durch jede Ritze ins Gebäude hineingezogen.

Typische Eintrittspfade im Haus: • Naturkeller mit offenem Erdboden • Risse in der Beton-Bodenplatte • Undichte Kabel- und Rohrdurchführungen • Arbeitsfugen zwischen Kellerwand und Boden • Offene Abwasserschächte und Pumpensümpfe

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Fachlich geprüftMartin Meier
ℹ️ Offizielle Schweizer Richtlinien: Weiterführende gesetzliche Informationen und Schutzbestimmungen finden Sie direkt bei den Schweizer Behörden: SUVA Asbest-Richtlinien sowie im Portal der EKAS (Eidg. Koordinationskommission für Arbeitssicherheit).

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