HomeRatgeberRadon und energetische Gebäudesanierung: Der unsichtbare Konflikt beim Energiesparen
Sanierungspraxis & Kosten📖 6 Min. Lesezeit📅 2026-07-09Autor: Philipp Ostermayer (geprüft von Martin Meier)

Radon und energetische Gebäudesanierung: Der unsichtbare Konflikt beim Energiesparen

Neue Fenster und gedämmte Fassaden sparen Energie – können aber die Radonkonzentration dramatisch erhöhen. So lösen Sie den Konflikt bauphysikalisch.

Einleitung: Gut gemeint, gefährlich geendet

Die energetische Sanierung des Schweizer Gebäudeparks ist ein zentraler Pfeiler der Energie- und Klimastrategie des Bundes. Alte Fenster raus, Dreifachverglasung rein, dicke Wärmedämmung an die Fassade und eine dichte Dampfsperre unter das Dach – das spart CO₂-Emissionen und senkt die Heizkosten massiv.

Doch diese Massnahmen haben einen hochbrisanten, oft völlig übersehenen Nebeneffekt: Sie machen unsere Gebäude extrem luftdicht. Was energetisch erwünscht ist, kann aus gesundheitlicher Sicht zur Katastrophe werden. Wenn der natürliche, unkontrollierte Luftaustausch über Ritzen in Fenstern und Türen komplett wegbricht, sammeln sich Schadstoffe im Innern rasant an. An vorderster Front: das radioaktive Edelgas Radon.

Der physikalische Zielkonflikt: Luftdichtheit vs. Luftwechsel

In einem unsanierten Altbau findet ein permanenter, unbewusster Luftwechsel statt. Durch kleine Undichtigkeiten der Gebäudehülle strömt frische Aussenluft nach, während belastete Innenraumluft entweicht. Typische Altbauten haben eine Luftwechselrate von ca. 0,5 h⁻¹ – die Raumluft wird also alle zwei Stunden einmal komplett ausgetauscht. Dadurch wird eindringendes Radon kontinuierlich verdünnt.

Nach einer fachgerechten thermischen Sanierung (ohne mechanische Lüftung) sinkt dieser natürliche Luftwechsel oft auf unter 0,1 h⁻¹ ab. Das bedeutet: Die Luft wird nur noch alle zehn Stunden ausgetauscht. Eindringendes Radon verbleibt fünfmal länger im Haus und die Konzentration in der Atemluft steigt dramatisch an.

Die grössten Fehlerquellen bei der energetischen Renovation

  • Fenstertausch ohne Lüftungskonzept: Der Einbau hochdichter Isolierglasfenster ist die häufigste Ursache für einen sprunghaften Anstieg der Radonwerte. Das Haus verliert seine "Atmungsaktivität".
  • Fassadendämmung im Einblasverfahren: Wird die Aussenfassade gedämmt, ohne dass gleichzeitig die bodenberührenden Bauteile (Kellerwände und Kellerboden) geprüft und abgedichtet werden, entsteht ein verhängnisvoller Unterdruck im Keller, der Radon erst recht aus dem Boden ansaugt.
  • Vergessene Kellerdecken-Dämmung: Eine unzureichend abgedichtete Kellerdecke lässt das Radon über Leitungsdurchführungen besonders leicht in die bewohnten Obergeschosse aufsteigen.

Die Lösung: So sanieren Sie energetisch UND radonsicher

Energetische Optimierung und Gesundheitsschutz müssen sich nicht ausschliessen. Sie müssen jedoch zwingend von Anfang an ganzheitlich geplant werden:

1

Die Vorher-Nachher-Messung: Vor jeder grösseren Sanierung sollte im Winter eine offizielle Radonmessung durchgeführt werden. So kennt man den Ist-Zustand. Nach dem Umbau folgt eine Kontrollmessung, um sicherzustellen, dass die Dämmung nicht zu einer Grenzwertüberschreitung geführt hat.

2

Das zwingende Lüftungskonzept: Wer Fenster und Fassade erneuert, muss nach dem Stand der Technik ein kontrolliertes Lüftungssystem einplanen. Der Einbau einer kontrollierten Wohnraumlüftung (KWL) mit Wärmerückgewinnung garantiert einen kontinuierlichen Luftaustausch, transportiert Feuchtigkeit und Radon ab und spart gleichzeitig Heizenergie.

3

Überdruck- oder druckneutrale Lüftung: Mechanische Lüftungsanlagen müssen exakt eingeregelt sein. Sie sollten druckneutral oder mit einem minimalen Überdruck im Kellerbereich betrieben werden, um den konvektiven Radon-Sog aus dem Erdreich zu unterbinden.

Wichtige Kooperation von BFE & BAG: Das Bundesamt für Energie (BFE) und das BAG haben eine gemeinsame Fachstelle für "Energie und Gesundheit" ins Leben gerufen, die technische Merkblätter für Architekten und Energieberater bereitstellt. Planen Sie Ihre Minergie-Zertifizierung nur mit Fachpartnern, die auch die Radon-SIA-Norm 180 beherrschen!

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Fachlich geprüftMartin Meier
ℹ️ Offizielle Schweizer Richtlinien: Weiterführende gesetzliche Informationen und Schutzbestimmungen finden Sie direkt bei den Schweizer Behörden: SUVA Asbest-Richtlinien sowie im Portal der EKAS (Eidg. Koordinationskommission für Arbeitssicherheit).

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